Birmingham 2019

12 sozialpädagogische Einrichtungen in vier Tagen, viele Fachgespräche, continuous provision areas und Wände, die intensiv genutzt werden für Dokumentation und Information – das sind die wichtigsten Ergebnisse der 6-tägigen Erasmus+ Mobilität in Birmingham, UK.

Wir sind zu viert unterwegs, zwei Anleiter/Ausbilder und zwei Lehrkräfte der BSBJ um Einblicke in die britische Elementarpädagogik zu erhalten. Was wir überall aufs Neue erfahren sind die tiefen Einschnitte in die Qualität pädagogischer Arbeit durch die enormen Kürzungen unter der konservativen Regierung der Tories und Liberal Democrats vorgenommen wurden. Ehemalige Early Excellence und Family Centers arbeiten heute nur noch auf Minimalniveau – es wird allenthalben versucht zumindest kleine Teile der einst sehr gut funktionierenden sozialräumlichen Orientierung, der sozialen Arbeit mit Familien und der Netzwerkarbeit im Quartier aufrecht zu erhalten. Meist stützt sich dies aber auf das ehrenamtliche Engagement der pädagogischen Fachkräfte. Die Vorbildfunktion, die die Einrichtungen noch vor 15 Jahren hatten, ihre Strahlkraft weit über Nationalgrenzen hinweg, ist verloren. Gute Pädagogik ist eben auch von finanziellen Ressourcen abhängig.

Was wir dennoch sehen sind gut gestaltete und genutzte Räumlichkeiten, die mit continuous provision areas arbeiten, also mit Aktivitätsecken, die durchgehend angeboten werden und sich auf die Bildungsbereiche Literacy, Kreatives Gestalten, Konstruktion, Rollenspiel, audio-visuelle Medien, Musik, sensorisches Spiel/Feinmotorik, Bewegung und Naturerfahrungen konzentrieren. Die Aktivitätsecken sind anregend gestaltet, wenig Spielzeug ist zu sehen, dafür umso mehr Materialien aus der realen Alltagswelt. Kinder können im Free-Flow-Konzept selbständig entscheiden, ob sie sich draußen oder drinnen aufhalten möchten. Auch der Außenbereich ist anregend für das kindliches Spiel und initiiert zahlreiche intrinsisch motivierte Lernprozesse. Uns fällt aus, welch große Bedeutung sensorischen Erfahrungen beigemessen wird: die Kinder können selbst Knete herstellen, arbeiten draußen in Matschküchen und auf großen Tabletts mit glibbriger, eingefärbter Gelatine, im Innenbereich stehen in Tischen eingelassene Schüsseln bereit, die mit Kinderhänden gepressten Zitronensaft auffangen, Sammelbecken für geschnittene Karotten und Apfelstücke sind. Es gibt Sandecken im Spielraum, große Wasserwannen mit verschiedenen Schüttgefäßen und Glitzersand in großen, flachen Wannen, in denen die Kinder mit Fingern und Pinseln Spuren ziehen.

Die vielfältigen Lernprozesse der Kinder, die sich in diesen Außen- und Innenräumen vollziehen, werden von den pädagogischen Fachkräften mit Hilfe des Software-Programms „Tapestry“ (https://tapestry.info) kontinuierlich auf IPads digital-visuell dokumentiert und mittels Intranet direkt an die Eltern versandt. Zudem fällt auf, dass kaum eine Wand ungenutzt bleibt. Überall hängen Fotos ins Spiel vertiefter Kinder, versehen mit kleinen Kommentaren zu ihren neuen Erkenntnissen, die sie über die Welt gesammelt haben. Immer wieder ist die Struktur des EYFS, des britischen Bildungs- und Erziehungsplans (https://foundationyears.org.uk/) zu erkennen. Aushänge in den continuous provision areas, den Aktivitätsecken, geben Infos zu der Rolle der Pädagogen, die in den einzelnen Bildungsbereichen zu übernehmen sind, um kindliche Lernprozesse zu unterstützen. Wichtigste Aufgabe: mit den Kindern spielen! Durch die vielen informativ gestalteten Wände herrscht eine visuelle Sichtbarkeit pädagogischen Arbeitens, zugänglich für Pädagogen, aber auch für Eltern. Dies schafft Vertrauen in die Bildungsarbeit und zeigt den Eltern was die Kinder im Freispiel alles erfahren, welche Kompetenzen sie auf- und ausbauen.

In reflektierenden Gesprächen ziehen wir Fazit: Der Erasmus+ Aufenthalt in der britischen Partnerstadt Frankfurts versorgt uns mit vielen Anregungen, Methoden und didaktischen Überlegungen, die wir mitnehmen und in die Ausbildung pädagogischer Fachkräfte und in die alltägliche pädagogische Arbeit mit Kindern integrieren werden: eine professionelle Bereicherung!